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waren fein, mager oder vielmehr dürr, ſie ſahen, wie mir ſchien, auch innerlich trocken aus. Aber darin kann ich mich täuſchen. Soviel iſt gewiß, daß ich nach et⸗ was Leben, etwas Eigenthümlichkeit, nach etwas Indi⸗ vidualität ſowohl im Innern als im Aeußern dürſtete. Die Quäckerinnen ſind auch alle gleich gekleidet. Aber welche klar ausgeprägte Eigenthümlichkeit liest man nicht in ihren Geſichtern! Hier dagegen war das Einer⸗ lei charakterlos. Die Einfachheit war einförmig und langweilig. Mrs. Geddes hatte ich nicht entdeckt.
Ich ſagte es Harriſon, als er ſich neben mich zum Frühſtück ſetzte.
„Wenden Sie ſich um,“ ſagte er,„ſie ſitzt am Tiſch hinter Ihnen“(WB. wir aßen an langen ſchmalen Tiſchen). Ich wandte mich um und traf ein ſanftes, ovales, etwas blaſſes Geſicht mit tiefen ſchönen Augen und einer klaren Stirue, über welcher das dunkelbraune Haar glatt die Schläfe hinabgekämmt war. Es war Mrs. Geddes. Sie war wie die andern Damen geklei⸗ det, aber in koſtbare ſchwarze Seidenſerſche; ihr Haar war gleich dem der andern gemacht und dennoch war ein großer Unterſchied; ſie ſchien mir etwas ſteif, aber nicht trocken, ſondern ſanft und edel.
Ich machte ihre nähere Bekanntſchaft am Chriſt⸗ abeud, ſowie am Abend des Chriſttags, den ich in Ge⸗ ſellſchaft in dem großen Salon mit einem Theil der Bewohner des Hotels Saint⸗Charles zubrachte, und ſie gefiel mir ungemein. Sie hat die feinen regelmä⸗ ßigen Züge, welche der amerikaniſchen weiblichen Schön⸗ heit angehören, und damit verbindet ſie die ruhige Hal⸗ tung, die beſcheidene würdevolle Anmuth, die man bei den Schönheiten der neuen Welt nicht ſo oft trifft. Mr. Geddes, der viel älter iſt als ſeine ſchöne Fran, hat ein lebendiges Geſicht, das große Charakterkraft verräth, und iſt ein ſtarker Swedenborgianer, weßhalb ich vorausſehe, daß wir über den Propheten in Streit


