Teil eines Werkes 
2. Bd. (1854)
Entstehung
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Hat die Poeſie wohl ein freundlicheres als das erſtere, und ein düſtereres als das letztere?

Den 21. Dezember.

Der Miſſiſippi fließt gran, trübe und breit, immer breiter, immer trüber meine ich, unter einem herbſt⸗ grauen naßkalten Himmel. Seine Waſſer ſchwellen und ſteigen in dieſer Zeit mit jedem Tage höher. Ueberall ſind die Ufer niedrig und moraſtig, dabei mit cotton woods und Cannebrakes bedeckt. Auf dem Miſſiſippi ſchwimmen große Zimmerblöcke und alle möglichen Dinge, die von Wracken und Zerſtörung erzählen. Der große Fluß ſcheint mir eine Sündfluth zu ſein und er hat auch ein großes Sündenregiſter. Aber unſre ſtatt⸗ liche Arche Noä, die noch kosmopolitiſcher iſt, als ihre älteſte Vorgängerin, ſchwimmt auf den Wogen des großen Kosmopoliten Miſſiſippi mit ruhigem Gewiſſen dahin und iſt ein ſo angenehmer Platz, daß ich, ob⸗ ſchon ich mitunter an Sündfluth und des Miſſiſippis Sündenregiſter, ſowie an Sotos Schickſal in dieſen Gegenden denke und an der düſtern Landſchaft, dem dunkelgrauen und dem gleichfarbigen Himmel den Stem⸗ pel ſeines Geiſtes erblicke, gleichwohl mich ganz leicht und wohlgemuth fühle. Es ſchmeichelt mir, daß ich als Weltbürgerin von dem großen Weltbürger getra⸗ gen werde, und es ſchmeichelt mir, daß ich jetzt ſeine geographiſche Geſchichte bis an ſein Ende kennen lerne, daß ich ſodann das ſchöne Cuba und das Leben der tropiſchen Zone ſehen werde, und darum denke ich gar mancherlei Gedanken!..

Alles an Bord iſt ſtill und geht in Ordnung und Ruhe vor ſich. Vormittags bin ich für mich ſelbſt, leſe ein wenig amerikaniſche Geſchichte und Buchanans Journal of man und laſſe meine Gedanken mit dem Strom auf den Ozean hinausfahren. RNachmittags