497
Indianerſtadt an dem weißen Fluß Waſhita, bei einem friedlichen Indiauerſtamm, der Ackerbau trieb und feſte Städte hatte. Die jungen Cavaliere verübten gegen die friedlichen Einwohner alle Arten von Grauſamkeit, die ihnen ihre Launen eingaben. Soto ſelbſt hatte, ſagt man, keine Freude an Grauſamkeiten. Aber die Rechte und das Leben der Indianer wurden für Nichts angeſehen.
Im Frühling des folgenden Jahres beſchloß Soto den Waſhita bis zu ſeiner Mündung zu verfolgen, um Nachrichten vom Meere zu erhalten. Er verirrte ſich in den Moräſten längs dem rothen Fluß und ſei⸗ nen Nebenflüſſen. In einer Provinz, genannt Guachoga, fragte er den Häuptling, wie weit es von da bis zum Meere ſei. Der Häuptling konnte es nicht ſagen. „Gibt es bis zur Mündung des Fluſſes bewohnte Srte im Lande?“ Man antwortete, das Land ſei weiter nichts als eine unbewohnte Sumpfgegend. Soto wollte an eine ſo beängſtigende Angabe nicht glauben und ſandte Reiter aus, um das Land ſüdwärts dem Miſſiſippi ent⸗ lang zu unterſuchen. Sie konnten in 8 Tagen nicht über 30 Meilen weit kommen, da ſie jeden Angenblick durch Moräſte in den dicken Wäldern und durch un⸗ durchdringliches Geröhricht aufgehalten wurden.
Der Gouverneur vernahm ihren Bericht mit dü⸗ ſterem Schweigen. Pferde und Leute ſtarben rings um ihn her und die Indianer begannen immer gefährlicher zu werden. Er verſuchte einen Indianerſtamm in der Nähe von Ratchez dadurch zu ängſtigen, daß er ſagte, er ſei von übernatürlicher Herkunft, und er verlangte von den Eingeborenen Gehorſam.
Der Häuptling antwortete:„Du ſagſt, daß Du der Sohn der Sonne ſeiſt. Trockne dieſen Fluß aus und ich will Dir glauben.“
Ferdinand von Sotv vermochte nicht mehr zu ängſtigen oder zu ſtrafen.
Bremer, die Heimath in der neuen Welt. U. 32


