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Die Frauen und ihr Beruf : ein Buch der weiblichen Erziehung / in zusammenhängenden Aufsätzen niedergeschrieben von Frauenhand
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der Stoff bekümmert ſie nicht, nur die Form, die man ihm zu geben weiß, und der Geiſt, den dieſe athmet. Das iſt es überhaupt, was die wahrhaft gebildeten Geiſter charakteriſirt, daß die einfachſte Erſcheinung ihnen ſtets auch die angemeſſenſte iſt. Laßt jenen Geiſtesarmen, die nichts haben, als ein bischen äußeren Schein, ihre ſchönen Kleider, ihre koſtbaren Zimmer, ihre ausgeſuchten Speiſen! Jener Ueberfluß, den des Lebens Nothdurft nicht erheiſcht, erkauft dagegen einem edlen Geiſte ſo reine, geiſtige Genüſſe, daß wir die Andern um ihren äußeren Luxus, der oft nicht einmal ſchön genannt werden kann, gewiß nicht beneiden dünfen.

Darum muß aber auch eine vernünftige Mutter am meiſten darnach trachten, den Sinn für Einfachheit und Beſcheidenheit in ihren Kindern zu erwecken. Sie müſſen ſchon frühe den Schein vom Weſen trennen lernen, ohne darum das Eine um des Anderen willen zu verachten. Aber zumeiſt wird der jedem Menſchen angeborene Trieb nach Genuß unter der Hand der gebildeten Mutter ſich veredeln, indem ſie keine Gelegenheit verſäumt, ihn ſeine Befriedigung in häuslichen Freuden, in kleinen Aufmerkſamkeiten für Andere finden zu laſſen. Wer frühe daran gewöhnt iſt, Glück und Zufriedenheit innerhalb der häuslichen Gränzen zu beſitzen, verfällt ſelten jener Un⸗ ſolidität, jener materiellen Genußſucht, an der ſo viele Männer und Frauen zu Grunde gehen, und deren erſter Keim ſo oft ſchon in der Erziehung des Kindes gelegt wird. Die Familien⸗ feſte ſind es insbeſondere, welche die Mutter heilig halten muß; denn ſie vornehmlich erwecken ſchon im Kinde den Sinn für das Schöne und Geordnete. Mit den geringſten Mitteln kann