dem heranwachſenden Geſchlechte nahe ſtellen; als Beſchützerin, als Erzieherin und Freundin deſſelben erringt ſie ſich Mutter⸗ rechte, und ihre Mühe wird reichlich belohnt durch den un⸗ ausbleiblichen Segen jeder liebevollen Thätigkeit. Und dies iſt es noch nicht allein. Tauſend Waiſen, tauſend Kinder der Armuth ſtrecken hülfeflehend ihre Arme nach jenen Kinder⸗ loſen aus, die ſo häufig an Katzen und Schvoshündchen ihr Wohlwollen verſchwenden und ihre irdiſchen Güter nur zur Befriedigung von Launen und Eitelkeiten benützen. Dieſe Kinder können euch ganz und ungetheilt gehören. Liebet ſie, bildet ſie zu tüchtigen Gliedern der Geſellſchaft, und ihr thut mehr als die wirkliche Mutter, von der es ja kein Verdienſt genannt werden kann, daß ſie das eigene Kind liebt und erzieht.
Ja, das Gefühl der Mütterlichkeit muß im Herzen jedes Mädchens geweckt und gepflegt, mit geiſtiger Bildung, mit prak⸗ tiſcher Tüchtigkeit verbunden werden. So ſteht es dann ge⸗ wappnet da gegen jeden inneren Feind und braucht die Tage nicht zu fürchten, von denen es heißt, ſie gefallen uns nicht. Wie ſollten Bitterkeit und Grämelei Raum finden in einem Herzen, das für das allgemeine Gute ſchlägt, wie könnten ſie einen Geiſt verdüſtern, der ſich nützlich zu beſchäftigen und alles Schöne zu genießen und zu ſchätzen weiß?
Aber um dieſes Ziel zu erreichen, muß man auch das jungſte Mädchen darauf hinweiſen, daß es viel länger alt, als jung ſein wird. Die Kunſt, mit achtzehn Jahren zu gefallen, iſt klein, aber der Zweck unſeres Lebens geht dahin, erſt dann in reinſter Schönheit zu glänzen, wenn die Roſen auf den Wangen anfangen zu erbleichen.


