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mit Recht in jedem Lebensverhältniß gefordert werden kann? Es fällt uns ſchwer niederzuſchreiben und doch muß es offen zugeſtanden werden: wenn wir durchaus wählen müßten zwiſchen geiſtiger und praktiſcher Ausbildung der Frau, und es hinge von dieſer Frau, wie es ſo oft der Fall iſt, das Wohl und Wehe einer Familie ab, wir wählten unbedingt das Letztere, denn der Geiſt muß ja doch vergehen unter dem Schmutz und Drangſal der Alltäglichkeit, wenn eine weiſe, ordnende Hand dieſe nicht ferne halten kann, während ein reinlicher, freund⸗ licher Haushalt wenigſtens das Eindringen des Geiſtes von Außen her zuläßt. Nur dem materiellen Wohlſein kann das geiſtige Behagen entſpringen. Es wird alſo für das junge Mädchen des Mittelſtandes, von rein praktiſcher Seite aus betrachtet, viel nothwendiger ſein, daß ſie die ganze Stufenleiter der häuslichen Beſchäftigungen gründlicher erlerne als die Scala auf dem Piano, daß ſie eher zu kochen, als in fremden Zungen zu reden wiſſe, beſſer ein Hemde zu nähen, als eine feine Stickerei zu fertigen verſtehe.
Aber dieſe ausſchließende Wahl zwiſchen dem Einen und dem Andern ſollte nicht mehr nöthig ſein; die beiden Elemente, welche ſich ſcheinbar feindlich in die Welt theilen, ſollen ſich in der Frau friedlich vereinigen und dem täglichen Leben die Krone der Schönheit erobern. Die Möglichkeit hierzu kann nicht beſtritten werden, es gibt und gab weibliche Weſen, die eine ſolche Stufe erſtiegen haben, und was für Einzelne mög⸗ lich war, iſt es auch für Viele, ja bis zu einem gewiſſen Grade für Alle.
Die Frauen und ihr Beruf. II. Auflage. 2
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