alle willkürlichen Begränzungen durchbricht und darum ſicher für uns erhalten bleibt, weil es dem Manne ja eben ſo wenig möglich iſt, uns in unſere idealen Bereiche zu folgen, als wir in den Seinigen mit ihm um die Herrſchaft ſtreiten wollen. Laßt Jedem das Seine! Zwei gleichberechtigte Weſen⸗ heiten ſtehen Mann und Frau heute einander zur Seite, jedes gleichbefähigt zur höchſten Entwickelung ſeiner Individualität, und der große Philoſoph, welcher eine Julie ſchaffen und mit den reichſten Gaben des Herzens und Geiſtes ausſchmücken konnte, wollte mit ſeinem obengenannten Ausſpruch nur den geiſtigen Unterſchied der Geſchlechter, aber keine Unter⸗ ordnung der Frau unter den Mann andeuten.
Die Thatſachen aber, welche ſo häufig und ſelbſt bei den Frauen den Glauben an eine wirkliche Inferiorität des Weibes hervorrufen, liegen keineswegs in jener Verſchiedenheit, ſondern nur in einer mangelhaften Erziehung des weiblichen Geſchlechts, welche beinahe jeden Ernſt des Lebens außer Auge läßt und glaubt, daß eine conſequente Durchbildung und Fortentwicke⸗ lung nur das Erbtheil des Mannes ſein dürfe. Der Mangel an Energie, Gewiſſenhaftigkeit und Pflichttreue, welchen wir ſo häufig bei der Frau und beſonders der Frau unſerer Tage finden, beruht keineswegs nur auf ſchwächeren Geiſtesgaben oder einer angeborenen Flatterhaftigkeit, ſondern vielmehr in dem faſt durchgängigen Mangel des Bewußtſeins, daß ſie einen beſtimmten Lebensberuf zu erfüllen habe, und daß von der Weiſe, in der ſie es thut, ihr ganzes künftiges Glück und ihre Zufriedenheit abhängt.
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