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Die Frauen und ihr Beruf : ein Buch der weiblichen Erziehung / in zusammenhängenden Aufsätzen niedergeschrieben von Frauenhand
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Die Tugenden des Charakters müſſen beiden Geſchlech tern gleichmäßig eingeprägt werden, denn auf beiden zugleich beruht das bürgerliche und häusliche Wohlergehen. Was der Staat und die Geſellſchaft vom Manne fordern, das Näm⸗ liche fordern das Haus und die Geſellſchaft von der Frau, und auf den letzteren Grundlagen allein iſt eine freiere Ent wickelung des weiblichen Weſens möglich.

Aber wie kann dies geſchehen bei Grundſätzen, welche zu dem Manne ſprechen:Du mußt arbeiten, ringen, ſtreben, des Lebens Ernſt erfaſſen! und zu der Frau:Du zartes Weſen biſt geboren, poetiſch zu ſein, zu tändeln, Toilette zu machen, Elavier zu ſpielen, franzöſiſch zu plaudern, und wie die ganze Ammenweisheit unſerer vornehmen Mütter und Gouvernanten heißt. Leider iſt dieſer Ton nicht mehr bloß einheimiſch in den höchſten Regionen der Geſellſchaft; den größten Theil des Mittelſtandes durchweht dieſe zimperliche Parfummoral, ſelbſt in den vermögenderen Bürgerſtand iſt ſie eingedrungen, und tüchtige Mütter, pflichtgetreue Hausfrauen, die frei ſind von Vorurtheilen unſerer modernen Geſellſchaft, erhaben ſtehen über deren Thorheiten, finden ſich nur noch in der äußerſten Mi norität.

Rauhere Zeiten und Sitten zeigen uns ein anderes Bild. Wenn die Spartaner ihre Mädchen mit den Knaben kriegeriſche Uebungen, gymnaſtiſche Spiele treiben ließen, um dadurch für

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ein künftiges Geſchlecht kräftige Mütter zu erzielen, wie lag dies richtig im Geiſt eines Volkes, das auf den Krieg an⸗ gewieſen und für dieſen erzogen, körperliche Kraft und Stärke über Alles ſchätzen mußte. Es entwickelten ſich dadurch in der