Teil eines Werkes 
3. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Puls ruhig, Haut weich, Zunge wenig belegt, Auge matt, Pupille weder vergrößert noch zuſammen⸗

gezogen, kein Fieber, kein Krampf, gute Symptome,

ſagte der Doctor, welcher nicht zu begreifen ſchien, wes⸗

halb er gerufen worden war⸗

Es iſt vorüber jetzt, antwortete Adrian,mir war aber ſehr übel. Das Einathmen der verpeſteten Krankenluft, die heftige Aufregung, ich mußte glauben, der Herr hielte mich des Todes werth.

Gewöhnliche Sprachweiſe, ſagte Semp,nicht geſteigert, nicht geſchwächt im Ausdruck. Baldrianthee, Ruhe, Diät und jetzt in's Bett.

Und der alte Doctor mit ſeinem aufgeſtülpten, lederfarbenen Profil ſtieß den Stock mit dem ſilbernen Knopf auf den Boden, um ſeinen Anordnungen Nach⸗ druck zu geben, während Adrian unter der Decke ſorg⸗ fültig das Gelenk abwiſchte, welches jener eine Minute lang zwiſchen ſeinen Fingern gehalten hatte.

Eine Viertelſtunde ſpäter ſchlief er, ſorgfältig ein⸗ gehüllt, auf ſeiner Matratze, während Regine neben ſeinem Lager ſaß. Ihr Blick ruhte auf ſeinen erſchlafften Zügen, die von dem Licht, welches ſich durch die grünen Vorhänge ſtahl, eine fremde, fahle Färbung erhielten.

Sie wußte, daß dieſe Leichenfarbe nur durch die eigen⸗ thümliche Beleuchtung herporgebracht wurde, und doch