216
hätte Frau von Wartberg ihm angenehme, ſtatt unan⸗ genehme Mittheilungen zu machen gehabt, ſo wäre es höchſtens zu einer bibliſchen Anſpielung gekommen. Zum Unglück aber deutete ihm ſeine Vertrante an, daß die von ihm beantragte Wiedereinführung der alten Taufformel auf Schwierigkeiten ſtoße, und daß ihm zu rathen ſei, den gemachten Vorſchlag zurückzuziehen. Ueber dieſe Zumuthung regte er ſich um ſo mehr auf, je ſchwermüthiger Frau von Wartberg über die Macht und den Zwang der Umſtände ſprach; und als er ge⸗ gen neun Uhr nach Hauſe kam und Regine noch nicht traf, trieb in der Mißmuth in das Geſellſchaftslocal eines literariſchen Vereins. Bei ſeiner Stimmung und der Geſellſchaft, die er fand, konnte es nicht fehlen, daß er bald in lebhaften Streit gerieth, der dahin führte, daß er ſeine Gegner in verblümten Reden des Dünkels und der Gottloſigkeit, ſie ihn aber in entſprechenden Wor⸗ ten der Beſchränktheit oder Heuchelei beſchuldigten. Be⸗ ſiegt zwar nicht, aber doch verletzt und erbittert, brach Adrian die polemiſche Converſation endlich ab und
machte ſich kein Gewiſſen daraus, den glimmenden
Brand im eigenen Hauſe ausbrechen zu laſſen— da⸗ mit er nur nicht mehr nach Innen um ſich greife.
Wenn er auch nicht durch eine ſo genaue Analyſe ſeiner Handlungsweiſe zu einem milden, beſchwichti⸗


