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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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verdamme ich dich, Ludmilla von Lowoſitz, als uͤber⸗ fuͤhrte Ehebrecherin, nach Geſetz und Recht zur Strafe des Todes durch das Schwert.

Editha, dein Traum! ſprach Ludmilla zuſam⸗ menſchreckend vor ſich hin.

Beichte deine Suͤnden, fuhr Carpezan fort,und bereite dich zu ſterben. Dir bleibt nur noch eine Stunde Zeit.

Sie war mit dem Geiſtlichen allein. Ruhig vernahm ſie die Ermahnungen des ehrwuͤrdigen Greiſes, legte ihm alle Tiefen ihres Innern offen dar und bat Gott von Herzen wegen jeden Fehltritts um Vergebung. Nur gegen Carpezan ſelbſt zeigte ſie keine Reue.Ich hab' ihn einſt uberſchwenglich geliebt, ſprach ſie,doch er hat meine Liebe getoͤdtet. Die Treue ſtarb der Liebe nach!

Armes verirrtes Kind, entgegnete der Prieſter, ich werfe keinen Stein auf dich. Gott ſei dir gnädig, wie ich dich ſegne in deiner letzten Stunde!

Es ſchlug Mitternacht. Da klirrten wieder Schloß und Riegel, und herein trat der Obriſt von Carpezan

mit den drei gegen Ludmilla zeugenden Offizieren. Ihnen folgte Meiſter Jobſt im ſcharlachrothen Mantel mit dem blanken breiten Richtſchwert unterm Arm; den Beſchluß machten zwei fackeltragende Trabanten.