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Ueberwaͤltigt von der Furchtbarkeit des Augen⸗ blicks ſank Ludmilla dem Prediger ohnmächtig in die Arme. Als ſie aber wieder die Augen aufſchlug, da war ein heller Schimmer von Verklärung uͤber ihr Geſicht verbreitet; es war als ob ein Engel ihr die Pforten des Paradieſes geoͤffnet und Himmelsharmonieen ihr Fried' und Seligkeit geſungen. Ohne einen Laut der Klage zu verſchwenden, ſchaute ſie mit ruhiger Hoheit im Kreis umher und ließ ihren Blick einige Momente mit dem Ausdruck ſanften Mitleids auf Carpezan ruhen, bat dann den Prieſter, ihr die Augen zu verbinden, knieete nieder und erwartete ſtill betend den Todesſtreich.
Da erfaßte den Freimann ploͤtzlich eine menſchliche Ruͤhrung.„Herr Obriſt,“ ſprach er halblaut zu die⸗ ſem,„macht mit mir, was ihr wollt, aber ich kann euer ſchoͤnes Ehegemahl nicht richten.“
„Ha, feiger Schurke!“ zuͤrnte Carpezan, entriß ihm das Schwert und ſchickte ſich ſelbſt zur grauſen That an.
„Mein Schwert zuruͤck!“ rief der Scharfrichter, vom wilden Ehrgeiz ſeines Amtes jetzt geſpornt, packte die Waffe mit beiden Haͤnden, beſchrieb damit einen weiten Halbkreis in der Luft— und das liebreizendſte Haupt ſank blutſtroͤmend zu Boden.
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