145
Groͤße vor die Seele trat, da uͤberließ ſie ſich der wil⸗ deſten Verzweifelung, bis ſie erſchoͤpft in dumpfes Hin⸗ bruͤten verſank. Sie hielt ſich fur lebendig begraben und zum langſamen Hungertode verurtheilt.
Plotzlich aber klirrten Schloß und Riegel, knarrend oͤffnete ſich die ſchwere Thuͤr, und herein trat mit einem Armleuchter in der Hand der ſchreckliche Carpezan. Ihm folgte der ſilberhaarige Feldkaplan Neander, derſelbe, der ihn einſt im Lager vor Pilſen mit Ludmilla getraut hatte.
„Weib,“ begann der Obriſt, die Ungluͤckliche mit einem grauſenhaften Blick ſtarr anſchauend,„du biſt durch die beeidigten Ausſagen von drei Offizieren und deiner eigenen Zofe, ſo wie durch das, was ich ſelbſt geſehen und gehoͤrt, des Verbrechens des Ehebruchs uͤberwieſen. Geſteheſt du deine Miſſethat ein, oder haſt du noch etwas zu deiner Vertheidigung anzufuͤhren?“
„Morde mich, wie du Glarens und Armand ge⸗ mordet!“ entgegnete ſie mit dem Ausdruck tiefſter Em⸗ poͤrung.
„Iſt das Alles?“
Sie ſchwieg.
„Vernimm denn dein Urtheil,“ begann Carpezan mit furchtbarem Ernſt;„Kraft meiner Obriſtengewalt 10


