144
„Nein, nimmermehr, ich kann nicht! Die Kniee wanken mir, kalter Schauder durchrieſelt mein Gebein, eiſerne Krallen ſtrecken ſich nach mir aus, ſchutze mich in deinen Armen!“
„Komm an dies treue Herz, mein ſuͤßes Leben. Er ſchloß ſie innig an die Bruſt und bedeckte ſie mit ſei⸗ nen Kuͤſſen.
„Ha, was war das?“ fragte Ludmilla erblaſſend und bebend, indem ſie ſtarr auf den Vorhang eines an⸗ ſtoßenden Alkovens blickte.„Sahſt du nicht den Vor⸗ hang ſich bewegen? Aus jenem Alkoven geht eine Thuͤr auf eine geheime Treppe. Gott! wenn Ja⸗ romir.
„Rache!“ rief Carpezan, mit gezucktem Schwert hervorbrechend und den wehrloſen Armand im Nu durchbohrend.
Mit einem Schrei des Entſetzens ſtuͤrzte Ludmilla bewußtlos auf die Leiche des Geliebten nieder.
Als ſie wieder erwachte, befand ſie ſich in einem unterirdiſchen Gewoͤlbe, das vom matten Schein einer Ampel beleuchtet wurde. Anfangs glaubte ſie nur einen ſchweren Traum gehabt zu haben, deſſen finſtere Wol⸗ ken noch nicht vor ihren Augen zerrinnen wollten. Als ihr aber die Wirklichkeit in ihrer ganzen ſchauderhaften


