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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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aͤnderung, und ſie geſtand ihn erroͤthend. Aber bald hatte der Freund wieder all' ihre truͤbe Laune hinweg⸗ geſcherzt und beide tranken wieder harmlos aus dem Wonnebecher der innigſten Liebe.

Seit Armand ſein Loos unwiderruflich an Lud⸗ milla gekettet hatte, war ſeine Leidenſchaft kein leicht verhuͤlltes Geheimniß mehr für ſie. Beide hatten das ſuͤße Bekenntniß in traulicher Stunde ausgetauſcht und den Bund der Herzen mit feurigen Kuͤſſen beſiegelt. Und wie ihre Herzen, ſo klangen auch ihre Lieder in einander. Ludmilla ſang zur Harfe, Armand zur Zither. Wenn ſie Abends mit Jaromir beiſammen⸗ ſaßen, dann beluſtigte ihn jene mit boͤhmiſchen Lied⸗ chen aus der Heimath und dieſer ließ die ſchwärmeri⸗ ſchen Weiſen der Troubadours ertoͤnen, oder ſie ſangen auch beide zuſammen ein munteres franzoͤſiſches Kriegs⸗ lied, was dem Obriſten beſonders wohlgefiel. Aber ſie ſangen auch einſam andere Lieder, die ihm weniger ge⸗ fallen haͤtten. Wohl vernahmen beide bisweilen im Innern die mahnende Stimme des Vorwurfs, daß ſie Jaromir's Vertrauen mißbrauchten, daß ſie die heilige Pflicht der Treue entweihten. Aber in Ludmilla's Her⸗ zen war nur Eis fuͤr ihren Gatten und Gluth fuͤr Armand. Und dieſer liebte zum erſtenmal mit aller 9*