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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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Als nun die gruͤnen Fluren Hollands vor Ludmilla ausgebreitet lagen, als ſie die Markt⸗ und Poſtboote auf den das Land uͤberall durchkreuzenden Kanaͤlen luſtig hingleiten ſah, als ſie die großen netten Doͤrfer und die reichen Stäͤdte mit ihren ſtolzen republikaniſchen Buͤrgern bewunderte, da ſtand ihr auf einmal Editha's Traumgeſicht vor der Seele und der Zigeunerin Fa⸗ niska prophetiſche Worte klangen ihr unheimlich ins Ohr:

Kommſt du in ein gruͤnes Land

An der Meeresfluth gelegen,

Wo der Waͤſſer Silberband

Dienet ſtatt gebahnten Wegen,

Wo die Doͤrfer Staͤdten gleichen,

Buͤrger nicht den Fuͤrſten weichen,

Dann mag deine Furcht beginnen!

Meide dann das ſuͤße Minnen,

Ob es auch in Ehren ſei;

Bleibe ſelbſt von Freundſchaft frei,

Bleibe jedem Manne fern,

Denn es blitzt dein boͤſer Stern;

Liebe hat dir Haß beſcheert,

Und es zuckt aus Nacht ein Schwert!

Sie ward ſtill und in ſich gekehrt. Armand forſchte mit liebevoller Beſorgniß nach dem Grunde dieſer Ver⸗

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