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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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Liebe mit aller Kraft unterdruckend, ging er mit feſtem Entſchluß zum Obriſten.

Gieb mir die Freiheit wieder, Bruder Jaromir, ſprach er bittend;laß mich, der das Schwert nun wieder ſchwingen kann, zu meinem Regiment zuruͤckkeh⸗ ren, wohin mich der Ruf der Ehre und Treue ver⸗ langt.

Wie, Armand, fragte der Obriſt betroffen,du verdankſt mir das Leben, und wilſſt mich nun wieder gleichguͤltig verlaſſen? Haſt du ganz vergeſſen, was ich fuͤr dich that, was ich für dich fuͤhle?

Nein, nie werd' ich das vergeſſen, du lieber theuerer Jaromir. Aber, was hat das Leben fuͤr Werth ohne Freiheit und Ehre? Mache deine Wohlthat erſt recht vollkommen und gieb mich frei!

Und wenn ich dich nun nicht freigeben wollte? Biſt du nicht mein Gefangener nach ehrlichem Kriegs⸗ gebrauch?

Was koͤnnte dir der einzelne Gefangene wohl nuͤtzen? Wollteſt du einen Vortheil aus ſeiner Armuth ziehen, die dir kein Loͤſegeld anbieten kann? Aber meine Kameraden werden fuͤr mich zahlen, laß mich an ſie ſchreiben.