Druckschrift 
Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

123

arzt vorgenommenen zweiten Verband und wagte kaum die Augen auf den ſchoͤnen Verwundeten zu richten, der nicht aufhoͤrte, ihr mit franzoͤſiſcher Galanterie die ſchmeichelhafteſten Dinge zu ſagen.

Armand mußte in der Behauſung ſeines Verwand⸗ ten wohnen, ſein Mahl mit ihm theilen und in jeder vom Dienſt freien Stunde ihn traulich unterhalten. Carpezan konnte nicht ſatt werden, ſich die alten Fami⸗ liengeſchichten und Armand's eigene Schickſale erzählen zu laſſen. Dieſer war nach dem Tode der Eltern ganz in die Haͤnde des Erſtgebornen, des reichen, aber hart⸗ herzigen Majoratserben gegeben geweſen, der es dem juͤngern Bruder an den nothwendigſten Mitteln fehlen ließ und ihn mit der empoͤrendſten Geringſchaͤtzung be⸗ handelte. Zu ſtolz, um bei andern Verwandten zu betteln, hatte er ſich ſelbſt ſein Lvos durch den Kriegs⸗ dienſt zu ſchaffen geſucht, und ſich durch Tapferkeit und Biederſinn die Achtung ſeiner Vorgeſetzten und Kame⸗ raden erworben.

Wie wohl that dem verwaiſten Herzen Armand's die geſchwiſterliche Liebe, womit ihm Jaromir und Ludmilla entgegenkamen! Mit treuer Freundſchaft ſchloß er ſich an Carpezan an und dachte mit Kummer an die Zeit, wo das Schickſal ihn wieder von ihm