35
unerſchuͤtterlich treu blieb. Der wichtige diplomatiſche Auftrag, womit Graf Thurn ihren Geliebten beehrt hatte, erfullte ſie mit freudigem Stolz und neuer Zu⸗ verſicht. Schon waren aber faſt drei Monate ver⸗ ronnen, ohne daß von dem Ritter auch nur die mindeſte Kunde erſchollen war. Man fuͤrchtete, daß ſeine Ver⸗ handlungen mißgluͤckt und daß er aus Verzweiflung daruͤber ſich in die weite Welt, vielleicht ſogar in den Tod geſtürzt habe. Da drang der Vater nochmals mit den ruͤhrendſten Bitten in die Tochter, ſie moͤge doch endlich der ehrenvollen Werbung Ottokars Gehoͤr geben und ſich nicht thoͤrichterweiſe einem aus launen⸗ hafter Uebereilung geſchloſſenen Verhältniß zum Opfer bringen.
„Und iſt er todt,“ entgegnete ſie mit tiefer Schwer⸗ muth, ſo will ich dann den Nonnenſchleier nehmen und Gott und ihm bis an mein Ende angehoͤren. Kein an⸗ derer aber ſoll, ich ſchwoͤr' es, ſich Jaromirs Geliebter je als Bräutigam nahen!“
Jetzt gab Czernin alle Hoffnung auf und wandte ſein verſchmaͤhtes Herz, wie es gekränkte Liebe oft zu thun pflegt, mit voller Leidenſchaft einer andern zu. Dieſe andere aber war niemand, als die kleine muntere Editha, die daruͤber in das hoͤchſte Entzücken gerieth
0


