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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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Defenſor der boͤhmiſchen Nation und Guͤnſtling des mächtigen Grafen Thurn durch unbedingte Zuruͤck⸗ weiſung zu beleidigen, ſchien ihm nicht rathſam, und doch haͤtte er den reichen Ottokar von Czernin gar zu gerne zum Eidam gehabt. Wie leicht andert ſich Maͤd⸗ chenſinn, und Zeit gewonnen, Alles gewonnen, dacht⸗ er bei ſich ſelbſt, und gab die klug ausweichende Ant⸗ wort:Euer Antrag, edler Carpezan, kann meinem Hauſe nur ehrenvoll ſein und verpflichtet mich euch zu großem Danke. Aber Ludmilla iſt kaum neunzehn Jahre und faßt leicht Entſchluͤſſe, die ſie ſpäter ebenſo raſch wieder bereut. Ihr ſelbſt aber geht einer verhaͤngniß⸗ ſollen Zukunft entgegen, einem Buͤrgerkriege und Ver⸗ wirrungen aller Art, in die ihr euere junge Frau nicht ſo gleich werdet verwickeln wollen. Laßt ein Jahr ins Land gehen, bis ſich alles ruhiger geſtaltet haben wird, und wenn dann noch Ludmilla gegen euch geſinnt iſt, wie heut, ſo wird ſie euer Eheweib, dafür bürg' ich euch mit meinem Ritterwort.

Umſonſt ſuchten Carpezan und die Tochter den Vater durch Bitten zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Er blieb ſanft und freundlich gegen beide, doch feſt in ſeinem Entſchluſſe. Nicht einmal die Verlobung ward ihnen geſtattet.