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ſens Geiſt wirkte fort in ſeinen zahlreichen Anhäͤngern und ermuthigte ſie zum beharrlichen Kampf gegen Staat und Kirche. Das Recht der Laien, das heilige Abend⸗ mahl unter beiderlei Geſtalt, sub utraque korma, zu genießen, war ihr erſtes abgetrotztes Privilegium und der Grundſtein ihrer Selbſtſtändigkeit, wonach ſie ſich Utraquiſten nannten.
Als Martin Luther zu Wittenberg ſeinen reforma⸗ toriſchen Aufruf erſchallen ließ, da hallte dieſer faſt nirgends ſo laut und freudig, als in Boͤhmen wieder. Die alten Utraquiſten verſchmolzen mit den neuen Pro⸗ ſelhten zu einer ſtarken proteſtantiſchen Parthei, welche ſich durch alle Bezirke Boͤhmens mit reißendem Fort⸗ ſchritt vermehrte. Nachdem ſie ſich längere Zeit unter Kaiſer Marimilian's II. mildem Scepter einer factiſchen Religionsfreiheit erfreut, war ihnen dieſelbe von deſſen launenhaften Nachfolger, Rudolph II., ploͤtzlich wieder entzogen worden. Matthias, Erzherzog von Oeſter⸗ reich und Rudolph's Bruder, ein ränkevoller, laͤnder⸗ ſuͤchtiger Fuͤrſt, welcher den mehr mit Aſtrologie und Alchymie, als mit Regierungshandlungen beſchäftigten Monarchen allmälig aus dem Beſitz ſeiner Staaten zu verdrängen wußte, hatte ſich auch zum Beſchuͤtzer der mit ihrem Kaiſer und Koͤnig unzufriedenen proteſtan⸗


