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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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ſeine Heldenthaten von den dankbaren Ständen des * Reichs den goldenen Ehrenſaͤbel erhalten. Als Boͤhme hat er die Rechte ſeines Vaterlandes ſeit zehn Jahren mit Gefahr ſeines Lebens vertheidigt, iſt vom Volke zu einem der dreißig Defenſoren erwaͤhlt und ein hell⸗ glaͤnzender Stern unter den Deputirten unſers Land⸗ tags geworden. Sein Sinn ſtrebt hoch, und das gefällt mir am Mann! Ich glaube gar, du biſt in ihn verliebt? fragte Editha, die Schweſter mit ihren munter blitzenden

Augen groß anſehend. Eine plotzliche Purpurroͤthe uͤberflog Ludmilla's Wangen, doch bald antwortete ſie mit ſtolzer Faſſung: Ludmilla kann lieben, doch nicht ſich verlieben, wie ihr Andern; ich muß den Carpezan achten, obich ihn einſt lieben kann, weiß ich noch nicht. Lieben und doch nicht verliebt ſein, das geht uͤber meinen Verſtand! Laß mir die Silbenſtechereien, Lud⸗ milla, und geſtehe mir ehrlich, daß..

1Still, Editha, laß mich weiter horchen. Jetzt ſprechen Mehre zugleich die Wahlfreiheit der Majeſtätsbrief o weh, nun rauſcht Alles wie

Meereswogen durch und uͤber einander ich kann

nichts mehr unterſcheiden!