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mit dem friſchen runden Geſichtchen und dem reizenden beweglichen Figuͤrchen das echte Bild eines allerliebſten Boͤhmermaͤdchens, was nur lieben und geliebt ſein und das Leben im froͤhlichen Walzertakt durchfliegen will. Da ſchien ihr nun der ſchoͤne reiche Ottokar ganz zum Tanzgenoſſen wie geſchaffen und ſie konnte durchaus nicht begreifen, wie die Schweſter ihn ſo kalt und gleichgultig behandeln mochte. Wie gern hätte ſie ihm ihre Neigung zu verſtehen gegeben, wenn er ſie nur einmal freundlich angeblickt und wenn ſie ſich nicht vor dem Unwillen des Vaters gefuͤrchtet, der ſeinem Liebling dieſe glaͤnzende Verheirathung nun einmal beſtimmt hatte. So verſchloß ſie ihr Leid alſo in ihre kleine wogende Bruſt und entwarf dabei in ihrem Koͤpfchen allerlei Plaͤne, wie ſie aller Hinder⸗ niſſe ungeachtet dennoch in den erſehnten Hafen ein⸗ laufen koͤnnte.
Am Abend des 20. Mai 1618 war im Hauſe des Freiherrn Stanislaus von Lowoſitz geſchaͤftige Bewe⸗ gung. Es wurde zahlreiche Geſellſchaft von ſtändiſchen Abgeordneten zum Nachtmahl erwartet. Die Vorbe⸗ reitungen zur Tafel waren vollendet und die beiden hol⸗ den Schweſtern gingen eben an das für ſie angenehmere Geſchaͤft, ſich zum Feſte zu ſchmuͤcken.


