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ihrem freien Wahlrecht Zwang anthun zu wollen. Carpezan ſtand zwar bei ihm als Patriot in hoher Gunſt, doch hatte er nie daran gedacht, ihn zu ſeinem Eidam zu beſtimmen. Carpezan war von ritterlicher Abkunft und angeſehen unter den ſtändiſchen Abgeord⸗ neten, doch beſaß er nur ein maͤßiges Erbgut und gehoͤrte nicht zu den alten einheimiſchen Familien des Koͤnigreichs. Seine Vorfahren waren vor einem Jahr⸗ hundert aus Frankreich eingewandert und hatten ſich durch verdienſtliche Kriegsthaten das Indigenat in Boͤh⸗ men erworben. Czernin dagegen, ein bluͤhend ſchoͤner Mann von 25 Jahren, war der Beſitzer ausgedehnter Herrſchaften und der Sproͤßling eines der vornehmſten Dhnaſtenhaͤuſer der Nation. Trotz aller dieſer Vor⸗ zuͤge ſah Ludmilla in ihm nichts weiter, als einen huͤbſchen roſenwangigen Juͤngling mit zierlichen Hof⸗ manieren, aber flachen Geiſt und Gemuͤth, eine All⸗ tagsmuͤnze, wie ſie das Schickſal zu Millionen aus⸗ prägt, ſei es in Gold oder Kupfer.
Ganz anders erſchien der verſchmaͤhte Graf der juͤngern Schweſter Editha, fuͤr die leider der von Lud⸗ milla's Feenpracht Geblendete keine Augen hatte. Und doch war die kleine ſiebzehnjährige Editha mit ihren dunkelbraunen Haaren und muntern verliebten Augen,


