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Der Obrist von Carpezan / von Ernst von Brunnow
Entstehung
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und die in der Mitte ſich beruͤhrenden ſchwarzbuſchigen Augenbrauen etwas Duͤſteres und Gefahrdrohendes. Auf ſeinen gelbbraunen, vom rabenſchwarzen Bart umfaßten Wangen bluͤhten keine Roſen, doch wurden ſie nicht ſelten von ploͤtzlich aufwallender Zorngluth mit dunklem Purpur uͤbergoſſen. Seine Geſtalt war hager und groß, ſeine Haltung ſtolz und kriegeriſch, ſeine Stimme klangvoll gebietend. In der Geſellſchaft von Frauen beobachtete er ritterlichen Anſtand und Cour⸗ toiſie, ohne ſich zu geckenhaften Schmeicheleien und demuͤthiger Dienſtbarkeit zu bequemen. Das Alltags⸗ treiben junger Maͤnner ſeines Standes war ihm zu⸗ wider und ſein Geiſt ſchien im Stillen uͤber großartigen Plänen zu bruͤten.

Alle dieſe Eigenſchaften machten ihn der nach dem Ungewoͤhnlichen hinſtrebenden Ludmilla anziehend und achtenswerth, und aus dem Boden der Achtung begann eine zartere Neigung den erſten Keim, ihr unbewußt, halbtraͤumeriſch zu entwickeln. Aber ihr Vater hatte ſich einen andern Gatten unter den Edeln des Landes fuͤr ſie ausgedacht, den jungen reichen Grafen Ottokar von Czernin, der ſich ebenfalls ſeit einiger Zeit unter Ludmilla's Huldiger gereiht hatte. Nicht undeutlich ließ er der Tochter dieſen Wunſch merken, ohne jedoch