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4 ſie undinenhaft weich in ſußer Liebestrunkenheit. Bald ſtrahlten Stirn und Wangen in koͤniglicher Hoheit, bald ſchwebte um den kleinen Roſenknospenmund der Aus⸗
druck ſanfter Melancholie oder wonnig ſchwaäͤrmender
Phantaſieen. Man ſah es ihr an, daß ihr die ge⸗ woͤhnliche Welt nicht genugte, daß ſie ſich nach dem Wellenſchlag des Außerordentlichen, ſei es auch unter gefährlichen Stuͤrmen, ſehnte, um dann ſelig wie ein Silberſchwan uͤber die beruhigten Wogen nach einem getraͤumten Paradieſe hinzugleiten.
Von der zahlreichen Freierſchaar, die um Lud⸗ milla's Gunſt buhlte, waren ihr die meiſten gleichguͤltig, viele lächerlich, andere wegen ihrer geckenhaften Zu⸗ dringlichkeit verhaßt. Nur einen mußte ſie achten, wenn ſie ihn auch noch nicht lieben konnte. Dieß war Jaromir von Carpezan, einer der kräftigſten Stimmen⸗ fuͤhrer der proteſtantiſchen Partei, gleich ausgezeichnet durch ritterliche Tapferkeit, wie durch gluͤhenden Pa⸗ triotismus, ehrenhaft, kuͤhn und beharrlich in Geſin⸗ nung und That. In der Mitte der dreißiger Jahre ſtehend, war er in ſeiner ganzen Erſcheinung das Bild der vollendeten Manneswuͤrde. Seine Zuͤge waren ernſt und edel, ſein Auge adlerſcharf, die Stirn hoch und gedankenvoll, doch gaben ihr einige tiefe Furchen 1*


