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hatte ihm die fruͤhverſtorbene Gattin zwei holde Toͤchter, Ludmilla und Editha mit Namen, hinterlaſſen. Ludmilla ward faſt einſtimmig als das ſchonſte Maͤdchen von Prag geprieſen, aber das Wort Schoͤn druͤckte noch lange nicht ihr Weſen aus. Denn was man ſo gewoͤhnlich unter einer vollkommenen Frauen⸗ ſchoͤnheit zu verſtehen pflegt, iſt oft nur ein harmoniſch gegliederter, glaͤnzender Bau, der uns anfangs ent⸗ zuͤckt, um uns bald kalt und gleichgiltig zu laſſen, weil die Natur allein die architektoniſche Aufgabe rein geloͤſt, kein Geiſt aber mit ihr den befruchtenden Liebes⸗ bund geſchloſſen hat. Nur zu ſchnell werden wir dann gewahr, daß eine Alltagsſeele die Goͤtterhuͤlle bewohnt, die ſie nicht zu durchdringen und mit ſich in eins zu verweben weiß. Anders war es bei Ludmilla, wo Geiſt und Koͤrper im vollkommenſten Einklang ſtanden. Wollen wir verſuchen, ein Spiegelbild dieſes wunder⸗ baren Weſens zu geben, ſo moͤchten wir ſagen, daß ſie die verkoͤrperte Romantik ſchien. Alle ihre Formen hatten etwas unendlich Reizendes, Ueppiges, Sinn⸗ berauſchendes; ihr Antlitz aber glich einer ſtets anders ſich entfaltenden, prangenden und duftenden Zauber⸗ blume. Bald leuchteten dieſe dunkelblauen Augen von ſtolzem Thatenmuth und Siegesfeuer, bald ſchwammen


