Mehrere Jahre ſpäter— wir wiſſen nicht recht wie viele— ſchrieb Roſa an Thecla:
„Sei willkommen, geliebte Thecla, in meinem guten Lande, in meinem Gottland! Komm, die Schönheit unſerer Haine zu ſehen, komm, um allda unſere Milch und unſern Honig, ihre feinſten Säfte zu koſten. Erinnerſt Du Dich, Thecla, wie unſer alter Freund Homer in ſeiner Odyſſee häufig große oder ſchöne Naturgegenſtände, die nahrungſpendende, fruchtbrin⸗ gende Erde, das Meer, die Haine, die Luft, den Mor⸗ gen u. ſ. w. heilig nennt, ohne daß der Dichter gleich⸗ wohl die tiefe Bedeutung dieſes Wortes ahnt? Denn die göttlichen Mächte, die ihnen nach ſeinem Dafürhalten innewohnen, ſind weder gute noch böſe, und können auch Beides nicht ſein. Aber wie oft habe ich an dieſen Ausdruck gedacht und ſeine ganze Bedeutung gefühlt in dieſen letzten Jahren, wenn ich meinen Vater das Dankgebet bei jeder Mahlzeit ſprechen höre, die uns zu ſorgenfreiem Genuß ver⸗ ſammelt, bei jedem neuen Tag, der uns zum Leben ruft, bei jedem Abend, der uns zur Ruhe führt. Und wie heilig, wie geweiht erſchienen mir nicht alle guten Gaben des Lebens, wenn ich ſie als Ge⸗ ſchenke eines allgütigen Vaters, als Beweiſe ſeiner Liebe und ſeines Reichthums betrachtete!
„Und ich möchte, o ich möchte, daß Du meinen Vater ſäheſt und hörteſt, ich möchte, daß Du ihn ſäheſt und hörteſt, wenn er Abends in der Verandah ſitzt, bald den Geſängen der Droſſel vom Walde her, bald dem Geplauder kleiner Kinder auf ſeinem Schooße oder uns, ſeinen Kindern und Schülern zuhörend, die wir unſere größte Freude daran finden


