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Vater und Tochter / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. von G. Fink
Entstehung
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von ihm trennte? Ach, wenn er nur ein Wort ſagte, welches bewieſe, daß er ihr Dableiben wünſche! Noch war es ja Zeit, und Roſa bereute bereits, daß ſie ihrer Tante zugeſagt hatte. Mit bekümmerten, fragenden Blicken folgte ſie ihrem Vater. Aber kein ſolches Wort kam über Leetor Norrby's verſchloſſene Lippen. Er war wirklich rückhaltender und gleichſam kälter gegen ſeine Tochter, als er je geweſen. Hatte er ihren aufgeregten Zuſtand bemerkt und wollte er ſie dadurch beruhigen, oder ſuchte er auf ſolche Weiſe ſeine Unruhe und ſeinen Schmerz in ſeiner eigenen ſtolzen Bruſt zu verbergen? Gewiß iſt, daß ſeine ſtei⸗ fere Haltung eine unruhigere Wallung im Herzen ſeiner Tochter hervorrief. Wie die Wogen ſich heftiger an der Klippe brechen, die ſich als Bruſtwehr gegen ſie erhebt, ſo verhielt es ſich mit Roſa's Gefühlen, und nur mühſam hielt ſie ihren Ausbruch zurück; aber ſie that es, weil ſie ihrem Vater zu mißfallen fürch⸗ tete. Am Abend vor der Abreiſe jedoch ſah man es ihren rothen Augen und Wangen an, wie ſie ge⸗ weint hatte.

Lector Norrby pflegte den Seinigen vor Schlafen⸗ gehen aus einem ſeiner Lieblingsſchriftſteller vorzu⸗ leſen. Dieſen Abend hatte er— vielleicht mit Rück⸗ ſicht auf Roſa's und auch ſeine eigene Gemüths⸗ ſtimmung— Seneca's Abhandlung über die Seelen⸗ ruhe gewählt. Und ſeine ſchöne, klangvolle Stimme legte beſonderes Gewicht auf folgende Stellen:

„Der größte aller Dienſte, welche die Natur uns erwieſen, beſteht darin, daß ſie im Bewußtſein der Leiden, zu welchen ſie uns geſchaffen, die Gewohn⸗ heit erfunden hat, um unſern Schmerz zu beruhi⸗

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Bremer, Vater u. Tochter.