aus dem Auge verlieren, daß alle menſchlichen Dinge vergänglich und ohne Beſtand ſind. Geſtern war der Menſch bloß ein Keim; morgen wird er eine Mumie oder Aſche ſein. Wir müſſen alſo dieſem Augenblick unſerer Natur gemäß entgegengehen und uns unſerer Auflöſung mit mildem Sinne unter⸗ werfen, wie eine reife Olive, die in ihrem Fall die Erde, welche ſie getragen, zu ſegnen, und dem Baum, der ſie hervorgebracht, zu danken ſcheint.“
Wieder hielt das junge Mädchen an und ſagte jetzt mit einem fragenden Blick auf ihren Vater:
„Meinſt Du nicht, Vater, daß wir damit die Gedanken der römiſchen Weiſen über den Tod ab⸗ ſchließen könnten?“
„Ja,“ antwortete Lector Severin Norrby,„und zugleich unſer Leſebuch von den römiſchen Proſaikern. Einen beſſern Schluß könnten wir ihm nicht geben. Deine Ueberſetzung iſt im Ganzen gut, mein Mäd⸗ chen.. Einige kleine Fehler werde ich Dir morgen nachweiſen. Wir können jetzt zu den Griechen über⸗ gehen und von unſern guten Freunden unter ihnen lernen, wie man leben und ſterben muß.. Weißt Du auch, Roſa, warum ich juſt heute Abend Dich erſucht habe, mir dieſe Gedanken über den Tod vor⸗ zuleſen?“
„Nein, mein Vater.“
„Weil Du an dieſem Abend oder vielmehr in dieſer Nacht geboren worden biſt, in dieſer Nacht vor ein und zwanzig Jahren, und weil Du morgen in ein neues Stadium Deines- Lebens eintreten wirſt. Du wirſt mündig werden, wirſt das geſetz⸗ liche Recht erhalten, über Dich ſelbſt und über das
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