wegung auch nicht aufhören, weil ſie ſich nie ſelbſt verlaſſen kann. Und da das Weſen der Seele ein⸗ fach, und nichts Ungleichartiges und Unähnliches ihr beigemiſcht iſt, ſo iſt ſie auch nicht theilbar; und iſt ſie das nicht, ſo iſt ſie auch nicht der Vernichtung unterworfen.— Als ein ſtarker Beweis, daß die Menſchen das Meiſte ſchon wußten, ehe ſie geboren waren, mag das gelten, daß Kinder, wenn ſie ſchwere Künſte erlernen, unzählige Gegenſtände ſo ſchnell er⸗ greifen, daß ſie dieſelben nicht jetzt erſt außzufaſſen, ſondern bloß vermittelſt der Erinnerung in ſich zu erneuern ſcheinen. So unſer Plato.
„Bei Kenophon ſpricht der ältere Cyrus auf dem Sterbebette folgende Worte:
„Glaubet ja nicht, meine theuerſten Söhne, daß ich, wenn ich mich von Euch getrennt habe, nirgends mehr ſein oder daß mein Daſein ganz aufhören werde. Ihr ſahet meine Seele ja auch nicht, ſo lange ſie noch bei Euch war; Ihr ſchloßet bloß aus den Handlungen, die ich verrichtete, auf ihr Daſein in dieſem Körper. Glaubet daher, daß ſie noch als ebendieſelbe fortdaure, wenn Ihr ſie auch nicht mehr ſehet. Auch würden ſolche Ehrenbezeugungen be⸗ rühmten Männern nach ihrem Tode nicht forthin zu Theil werden, wenn ihre Seelen Nichts bewirkten, was ihr Andenken länger bei uns erhielte. Ich wenigſtens konnte mich nie davon überzeugen, daß die Seele, nur ſo lange ſie im menſchlichen Körper wohnt, lebe; wann ſie aber denſelben verlaſſen hat, abſterbe. Ebenſo wenig davon, daß die Seele die Vernunft verliere, wenn ſie aus dem vernunftloſen Körper geſchieden iſt. Vielmehr glaubte ich, daß die


