ſchildern, die nun folgten. Wer vermag wohl auf der einen Seite dieſen verzweifelten Streit der Liebe mit unſichtbaren Mächten, um das behalten zu dürfen, was ſie liebt, zu ſchil⸗ dern, und auf der andern dieſen Himmelsfrieden, dieſe Er⸗ gebung, dieſe innige Zuverſicht und höhere Liebe, die das Leben nicht in getrennten Momenten ſieht, die, Gottes Le⸗ ben in der eigenen Bruſt fühlend, im Tode nur einen Ueber⸗ gang ſieht, einen ſtillen Schlaf, gefolgt von einem neuen Morgen mit klarerer Sonne und kräftigerer Liebe.
Adelaide verlangte von Alarich Verzeihung fürAuguſte.
Er könne, erklärte er; ihr nicht vergeben.
„Du kannſt nicht?“ fragte Adelaide traurig.„O Ala⸗ rich, wie können wir dann beten: Und vergib uns unſere Schulden!...
„Sprich jetzt nicht von ihr,“ unterbrach ſie Alarich heftig,„ich könnte jetzt...“
Adelaide legte ihre Hand auf ſeinen Mund und fing an zu weinen. Er küßte ihre Thränen weg, wurde weicher und verſprach, ihr zu Liebe der Gräfin zu vergeben.
Ich ſah ſie ſo aufgeregt, daß ich fürchtete, es möchte Adelaide ſchaden. Deßwegen bat ich ſie, ruhig zu ſein und machte den Vorſchlag ihnen Etwas vorzuleſen. Sie willigten gerne ein, und um ihre Aufmerkſamkeit zu feſſeln, ihre Gefühle zu beruhigen, zugleich aber auch mit dem heimlichen Wunſche, dem Philoſophen Alarich wegen Adelaide eine Lektion zu geben, las ich die ſchö⸗ nen Worte Pauli von der Liebe:
„Wenn ich mit Menſchen⸗und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht: ſo wäre ich ein tönend Erz, oder eine klingende Schelle.“
„Und wenn ich weiſſagen könnte, und wüßte alle Geheimniſſe und alle Erkenntniß, und hätte allen Glau⸗ ben, alſo, daß ich Berge verſetzte, und hätte der Liebe nicht: ſo wäre ich nichts.“
(Beſonders Gewicht legte ich auf folgende Worte:)
„Die Liebe iſt langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, ſie blähet ſich nicht auf.“
Bremer, Töchter d. Präſibenten. 17


