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„Ein Jude iſt der Glaube,
Er ſetzt Minuten ein und nimmt die Ewigkeit zum Raube.“ Die Triebfeder aller unſerer Handlungen, der guten ſowohl als der ſchlechteſten, iſt der Eigennutz.“
Ein Frauenzimmer, deren Geſicht ſich durch nichts Anderes, als durch blaſſe Farbe und einen darüber ſchwebenden Ausvruck von beinahe heiliger Ruhe aus⸗ zeichnete, welche beſonders aus ihren ſanften, hellbrau⸗ nen Augen hervorſtrahlte, ſagte mild lächelnd:
„Man hört wohl, daß Sie nie geliebt haben.“
„Und was,“ antwortete ihr Gegenpart eifrig,„was iſt Liebe, was iſt Freundſchaft anders, als eigennützige Leidenſchaften? wir lieben einen Gegenſtand, weil er uns behagt, weil er uns Genuß gewährt, und weil wir von ſeiner Zärtlichkeit und Ergebenheit eine Vermeh⸗ rung der Materialien zu unſerem Glücke erwarten.“
Das bleiche Frauenzimmer ſchwieg einen Augen⸗ blick mit niedergeſchlagenen Augen, als ſchaute ſie prü⸗ fend in ihr Herz, dann erhob ſie ſie wieder feucht, aber freudig, und wiederholte flüchtig erröthend mit einem Tone innerer Gewißheit:
„Nein, Sie haben nie geliebt.“
Sodann antwortete ſie nichts mehr auf die Menge Beweiſe für die Herrſchaft des Eigennutzes in der Welt, die ihr noch vorgelegt wurden.
Im Kabinet haben ſich einige junge Damen zuſam⸗ meng⸗funden. Die junge, wohlbeleibte, reichgekleidete Gräfin L. wirft ſich nachläſſig und behaglich in einen Emma. Die junge Madame J. ſteht vor dem Trumeau und ordnet ihre Locken.
Gräfin L.:„Welche Hitze! ich vergehe! es iſt doch etwas Göttliches um einen Emma! ohne einen Emma möchte ich gar nicht leben. Ich bekomme bald einen von rother Seide mit Franſen. Haſtdu einen Emma, Sophie?“
Madame J.:„Nein ich bin arm, ich„


