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Es entſtand zwiſchen Einigen in der Geſellſchaft eine Erörterung über ein Gemälde, das einen Gegen⸗ ſtand aus der griechiſchen Mythologie vorſtellte. Graf Alarich lobte es. Einer ſagte:
„Ich kann nur beklagen, daß ein großer Meiſter einen ſolchen Stoff für ſeinen Pinſel wählen mochte. Soll ſich die Kunſt nicht die Aufgabe ſtellen, das mora⸗ liſch Gute zu verherrlichen? und welchen guten, welchen veredelnden Eindruck können wohl Gemälde, wie dieſe, zu Stande bringen? ſind ſie nicht vielmehr ſittenverderbend?“
Graf Alarich lächelte gedankenvoll.„Die Griechen,“ ſagt er,„hatten eine tiefe und lebendige Anſchauung vom Verhältniß der Gottheit zur Natur. Sie betrach⸗ teten es als das Weſen derſelben, ſich der ganzen Schöpfung einzuverleiben und in alle ihre einzelnen Formen Leben einzugießen. Dieſe Anſchauung iſt es, die in ihrer Mythologie hervortritt, die ſich in der bildenden Kunſt verſinnlicht, für welche dieſelbe eine ſo reiche Quelle iſt. Mit ihrem Wirken auf die Phan⸗ taſie hat wohl auch die Blüthezeit der Kunſt aufgehört.“
Angelika zuckte zuſammen; ſie ſah auf, ihre dun⸗ keln Augen blitzten. Nach kurzer Unterbrechung fuhr ſie in ihrer Zeichnung fort.
„Der Buchſtabe tödtet, aber der Geiſt macht leben⸗ dig,“ ſagte die Gräfin Auguſte.„Wir ſehen jetzt bloß den erſteren, ohne den letzteren zu erfaſſen, und dadurch laſſen wir uns zu ſchiefen Urtheilen verleiten.“
Dieſe Worte hätten Anklang gefunden, wenn ſie mit weniger Härte ausgeſprochen worden wären.
„Griechenland, o Griechenland!“ rief ein kleiner Herr mit großen Adelsepauletten—„das war die Welt für Poeſie und Kunſt, für alles Schöne und Göttliche! Seine Zeit iſt vergangen, um nie wiederzukehren. Wie ſchön ſagt dieß nicht Schiller in ſeinem Gedicht:„Die Götter Griechenlands.“
Ich hatte ihn gleich beim Anfang des Geſprächs in einem Bande von Schillers Werken leſen ſehen, der auf


