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ſie—„iſt die verwittwete Gräfin Natalie M., eben ſo reich als geiſtvoll, eben ſo geiſtvoll als ſchön. Die Dame, welche ſo bequem in der Sophaecke ſitzt, mit dem grie⸗ chiſchen, etwas zuſammengedrückten Profil, den kräftigen,
aber wohlgebildeten Formen, iſt ihre Verwandte und Bu⸗
ſenfreundin, Fräulein Margarethe R., eine höchſt origi⸗ nelle und intereſſante Perſon.“ So fuhr die freundliche Ba⸗ ronin noch lange fort und machte mich bei jedem Mitgliede der Geſellſchaft aufeineVollkommenheit aufmerkſam. Ich hatte nach dem Römer fragen wollen, allein er war jetzt nicht im Zimmer.
„Die intereſſanteſte Perſon meiner heutigen Abendge⸗ ſellſchaft iſt noch nicht hier,“ ſagte die B ronin.„Es iſt dieß ein junges Mädchen, Namens Angelika, eine zweite Angelika Kaufmann; ſie kommt aus der Provinz und wird mit ihrem außerordentlichen Malertalente ſicherlich großes Aufſehen erregen. Sie wird uns heute Abend bei unſern Bildern helfen. Eine Verwandte von mir, die Baronin Palmin, hat ſie in einer kleinen Provinzialſtadt ausfindig gemacht und mit ſich genommen, damit ſie ſich ein Bis⸗ chen in der Welt umſehen ſoll. Ihr Vater ſoll blos ein ganz gewöhnlicher Maler jein, allein die Tochter.. „Weriſt ſie? woher iſt ſie? wo iſt ſie? iſt's der Mühe werth, ſich um ſie Mühe zu geben?“ fragte Fräulein Mar⸗ garethe, welche ſich genähert, und die letzten Worte mit angehört hatte.
„Da kommt ſie,“ antwortete die Baronin, indem ſie aufſtand und uns verließ, umeinerältlichen ziemlich lächer⸗ lich ausſtaffirten Dame entgegenzugehen, welche ſo eben in Begleitung einer ſo ungewöhnlichen Perſon eintrat, daß ſie alsbald meine und der ganzen Geſellſchaft Aufmerkſam⸗ keit auf ſich zog. Es war ein junges Mädchen von etwa achtzehn Jahren, außerordentlich fein und zart, aber von ausgezeichneter Schönheit. Ihr Geſicht war bleich und man konnte ſagen, daß es wirklich von zwei großen, dun⸗ keln Augen beleuchtet wurde, welche all das Strahlende, Lebhafte undMythiſche der Sterne beſitzen. Sie trug ein


