10
Ehe wir uns legten, machte mich Adelaibe mit eini⸗ gen Verhältniſſen der Familie bekannt. Sie erzählte von ihrer ſchönen Schweſter, der Gräfin Auguſte U., von ihrem Onkel Sr. Ercellenz G., von dem morgenden Feſte, und ihr Geſicht ſtrahlte vor Freude. Sodann ſprach ſie von ihrer Mutter, von ihrem Tode, wie der Präſident denſelben lange geahnt, und wie die Verewigte vorher ſtille und vorſorglich Alles im Hauſe für die Ihri⸗ gen geordnet habe, wie gut und wie geduldig ſie geweſen ſei. Adelaide ſchwamm dabei in Thränen. Edla ſtand mit niedergeſchlagenen Augen da, keine Rührung that ſich auf ihrem Geſichte kund, ich hätte ſie für ganz gleichgültig halten können, hätte ich nicht das Licht in ihrer Hand zittern ſehen. Enblich umarmte Adelaide ihre kleinen Schweſterchen, die ſich zärtlich und ſchlaftrunken an ihren Hals hingen, legte mein Kopfkiſſen zurecht, wünſchte mir gute Nacht und ſagte, ich ſoll ja meine Träume wohl behalten. Adalaidens einnehmendes Bild lachte mir im Schlafe entgegen; als ich aber erwachte, dachte ich:„Was mag wohl der armen Edla auf dem Herzen liegen?“
Galathea. Angelika.
Freude iſt froher Genuß des Geiſtes, der
Weisheit und Unſchulb,
Eitle Thorheit hat nie lachend die Sorge verjagt. v. Brinkman.
—
Ich kenne kaum ein angenehmeres Gefühl, als das, welches ich beim Eintritt in ein behagliches, wohl beleuch⸗ tetes, und von ſchönen und gutgekleideten Menſchen be⸗ ſetztes, aber nicht überſetztes Zimmer empfinde. Je mehr Eieganz, je mehr Pracht daſelbſt herrſcht, um ſo beſſer;


