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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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Den leiſen Gang in der Seele der Menſchen! Oh! ich habe ihn in dieſen Tagen bei mir, bei den Meinigen belauſcht, obgleich wir noch nicht wagen, laut davon zu ſprechen. Ehrfurcht vor Flora's Andenken und Entſagung macht dies. Aber die Glorie, die ihre That über ſie ſelbſt ausſtrahlt, durchbricht mehr und mehr alle dunkeln Schatten.

Lennartſon und Selma haben ſich wie zwei Weſen aneinander geſchloſſen, die nach langem Suchen ſich end⸗ lich gefunden haben, wie zwei Seelen, die in dem Gedan⸗ ken des Schöpfers urſprünglich Eins waren.

Ihre Seligkeit iſt durch zu viel Leiden hindurch ge⸗ gangen, um der Freude ſchon das Feld frei zu laſſen; aber hinter der Wolke einer ſtillen Wehmuth, die ſie noch umhüllt, lacht bereits der Liebesgott und ſchlägt die Flü⸗ gel zuſammen. Oh! die Sylphide wird noch tanzen, wird noch auf Roſen tanzen im Leben!

Flora's Brief an Lennartſon iſt ſo geſchrieben, daß dieſer die ihm gebotene Freiheit annehmen muß. Sie zeigt

ſich beſtimmt und klar und bittet ihn, ihr das Bewußt⸗

ſeyn zu gönnen, das ſie beſeele, indem ſie zwei Liebende vereinige und glücklich mache und daß ſie dadurch deren Achtung und die vor ſich ſelbſt wieder gewonnen habe. Reue und Selbſtrerachtung, ſchreibt ſie,würden hinfort mich an Deiner Seite verfolgen, Lennartſon! Und Du würdeſt mich nicht achten können, weil Du mich nicht lie⸗ ben könnteſt. Aber getrennt von Dir werde ich Dir näher kommen. Oh Thorſten! ich fühle es, mit Selma vereint, wirſt Du in Freundlichkeit an mich denken werde ich Dir wieder theuer werden. Ach! vielleicht iſt es mehr Cgoismus, als reine Liebe, was mich in dieſem Augenblicke leitet. Wenn es ſo iſt oh, ſo verzeihe mir!

Lennartſon's Brief an Flora wird einen nie verlö⸗ ſchenden Strahl der Freude in ihre Seele werfen. Und Flora hat Recht. Sie ſind ſich nun näher, als wenn ſie Mann und Frau geworden wären.

Meine Stiefmutter iſt glücklich und fröhlich und rührt mich zugleich. Sie iſt ſtille und ruhig. Oft legt

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