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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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mich hindert, Lennartſons Gattin zu werden. Er hat mir ſeine Hand gereicht, edelmüthig ſdas überwindend, was uns trennen ſollte; er weiß Alles, und verzeiht Alles um meiner Liebe willen. Der Becher der Seligkeit iſt bis an den Rand gefüllt und wird von der Hand des Glückes, der Gnade überreicht. Jetzt fehlt nur noch Eins————“

„Und dieſes wäre?“

„Ihn abzulehnen, ihm zu entſagen!“

„Wie?“

„Ach! in dem Augenblicke, wo ich Selma auf dem Krankenlager, das ſie meinetwillen hüten mußte, in der Phantaſie des Fiebers das lange verborgne Geheimniß ihres Herzens ausſprechen hörte, als ich Lennartſons Gefühl für ſie, als ich ihre Blicke in einanderſchmelzen ſah, da ging der Gedanke in mir auf, mich zu opfern, die allein Unglückliche zu ſeyn. Aber ich war zu wenig daran gewöhnt, edle Gedanken zu hegen. Auch dieſen bekämpfte ich und ſuchte mich zu überreden, daß Lennart⸗ ſon doch eigentlich mich liebe und daß ich bald die Liebe wieder gewinnen werde, die ich durch mein Benehmen verloren hatte. Ich wollte mich edel, aufrichtig zeigen; ich legte in Lennartſons Hände die Briefe, die mich un⸗ glücklich gemacht hatten, und bat ihn, mich zu richten. Ich war im Voraus gewiß, daß er ſie nicht annehmen würde.“

Ich täuſchte mich nicht. Erſchob ſie weg. Aber er nahm meine Hand und hieß mich ſchwören, feierlich ſchwören, daß in den Briefen oder in meinem frühern Verhältniſſe

nichts wäre, das mich verhindere, die Fraueines ehr⸗

baren Mannes zu werden. So lauteten ſeine Worte und ich ſchwor. Gottlob! Ich konnte das. Darauf zog er mich zu ſich und ſprach Worte himmliſcher Güte und himmliſchen Edelmuths, geſtand aber, daß ſein Herz nicht mehr mein wäre, wie früher; er geſtand eine andre Liebe — oh! ich wußte wohl, für wen er ſie fühlte, obgleich er keinen Namen nannte. Er fragte mich, ob ich Geduld