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die Achtung, die er bisher gegen mich beobachtet hatte, er ſprach ſcharf mit mir, entſchleierte mich vor mir ſelbſt und zeigte mir, auf welchem gefährlichen und verwerf⸗ lichen Wege ich mich befände. So ernſte Worte hatte mir noch Niemand geſagt, noch nie war Jemand mir ſo ſchonungslos begegnet. Mein erſtes Gefühl war eine Neigung von Stolz und Zorn: auf immer wies ich den Kühnen ab. Aber ein zweites, gar verſchiedenes Gefühl folgte: ich ſchrieb ihm, öffnete ihm mein ganzes Herz und ließ ihn die Gefühle ſehen, die er mir eingeflößt hatte. Ich war ſo ſehr gewöhnt, zu ſiegen, und erwar⸗ tete, gleich nachher Lennartſon zu meinen Füßen zu ſehen. Er kam— aber als Bruder, mild und ernſt. Nur eine gewiſſe Verlegenheit in ſeinem Weſen bewies mir, daß er mich wohl verſtand, aber mich nicht verſtehen— wollte. Ach! ich war nicht das Weib, das er lieben konnte, nicht dasjenige, das er ſich als Lebensgefährtin wählen wollte!“
„Als ich das ſah, egte ſich mein Stolz, und gebot mir, meine Liebe zu beſiegen. Dieſe aber gebot mir wiederum, meine böſen Neigungen zu überwinden, um ſeiner würdig zu werden. Die Güte und das Intereſſe,
das er mir bewies, das Vergnügen, das er an meinen Talenten fand, feſſelten mich immer inniger an ihn und erregten den Wunſch in mir, ein Ideal ſchöner Weiblichkeit zu werden, das der Seele Lennartſon's beſtändig vorzu⸗ ſchweben ſchien. Aber ach! Nichts iſt ſchwerer, als, wenn man künſtlich erzogen und verkünſtelt iſt, ein wahres und einfaches Weſen zu werden. Der verwickeltſte Knäuel iſt leichter zu entwirren, als eine in Zwieſpalt mit ſich ſelbſt lebende Seele. Und die allein können dies begreifen⸗ die gleich mir ſich bemühten, ſich zu erheben und einen beſſeren Standpunkt zu gewinnen, dabei aber immer wie⸗ der wie von einem böſen Dämon ſich zurückgeworfen fühlen in die Tiefe, aus der ſie herauskommen wollten, die die Pein erfahren haben, die man fühlt, wenn man ſich beſtändig unter ſich ſelbſt ſieht.“


