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Es war gegen ein Uhr in der Nacht. Mit einem Lichte in der Hand trat ich in den Corridor hinaus, um zu ſehen, wer der nächtliche Wanderer ſeyn könnte, und ſtutzte, als ich— Flora erblickte, Flora in glänzender Ballfleidung, einen Kranz von weißen Roſen in den Haa⸗ ren, aber zugleich ſo blaß, ſo verändert, daß ſie mehr aus einer Gruft, als von einem Balle zu kommen ſchien.
„Kann ich Dich ſprechen?“ fragte ſie mit einer Stimme, die mir ebenfalls verändert ſchien.„Aber löſche das Licht aus, ich bitte Dich! Es thut mir in den Augen wehe——— ich habe erſt zu viel Licht geſehen.“
Ich that, wie Flora gebeten hatte und folgte ihr auf mein Zimmer, wo ſie ſich in einen Lehnſtuhl warf. Wir ſchwiegen beide. Ich erinnerte mich auch nicht eines ein⸗ zigen Wortes aus meiner Strafpredigt.
„Geſtehe, Sophie!“ fing endlich Flora an;„Du haſt mich in den letzten Tagen und beſonders heute Abend in vollem Ernſte gehaßt!“
„Ja, das iſt richtig!“ entgegnete ſic.
„Das wundert mich nicht,“ fuhr Flora fort,„aber Du hatteſt nicht ganz Recht, und bald vielleicht wirſt Du——— mich nicht mehr haſſen.“
„Du warſt mehr als einmal gütig gegen mich, So⸗ phie! und deshalb verlange ich jetzt— nach der Sitte der Welt— daß Du auch jetzt gütig gegen mich ſeyn und mir mit Geduld zuhören wolleſt. Doch ſo ganz und gar ſelbſtſüchtig bin ich nicht. Ich weiß, wie wehe es thut,
bittere Gefühle zu hegen, und möchte deshalb verſuchen,
die auszulöſchen, die ich Dir eingeflößt habe, wenn es möglich wäre, ehe——— doch ich muß eilen.“
„Du haſt mich für ein ſeltſames, unbegreifliches Weſen angeſehen und ich will Dir jetzt den Schlüſſel dazu geben.“
„Manchmal haſt Du von Schöpfungswortenz uns geſprochen. Das Schöpfungswort zu meinem Weſe
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