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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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247 meine Stiefmutter laut ſeufzend, und beugte ſich über das Haupt der ſitzenden Tochter, deren Locken und Stirne ſie mit ihren Thränen benetzte. Sie konnte nicht wei⸗ ter ſprechen.

„Aber wir ſind ja nicht arm an Liebe,“ verſetzte Selma,„und ſo iſt es nicht gefährlich. Ich habe meine Mutter und meine Mutter hat mich, und wir beide ha⸗ ben Sophie— wir ſind noch reich!“

„Und wir haben auch Lennartſon,“ entgegnete ich, und ſagte Einiges davon, wie er ſich in vieſer Verlegen⸗ heit bewieſen habe.

„Das ſieht ihm gleich,“ ſagte Selma tief gerührt.

Nachdem wir uns wieder gefaßt hatten, ſprachen wir in Ruhe und ohne Uebertreibung von dem Stande der Sachen. Selma nahm Alles leicht und bewies ihrer Mutter, daß aus dem Erlös ihres Schmuckes und ihrer G emäldeſammlung alle Schulden bezahlt werden, und wir noch Einiges übrig behalten können. Offenbar wußte ſie beſſer als ihre Mutter, wie die Sachen ſtanden.„Und,“ fuhr ſie lebhaft fort,„nachdem wir hier in Stockholm die Juſtiz haben, wollen wir uns in irgend eine hübſche Landſtadt zurückziehen, uns dort nieder⸗ laſſen und ein eingeſchränktes, zurückgezogenes Leben füh⸗ ren. Und ich will' auch einmal für Nahrung und Klei⸗ dung ſorgen, und nicht wie bisher leben, wie die Lilien auf dem Felde. Ich will lernbegierigen Menſchen Et⸗ was von meinen Kenntniſſen beibringen, oder Bücher überſetzen, oder ſelbſt Bücher ſchreiben. Wer weiß, wann der Geiſt über Einen kommt. Und Sophie ſoll mein Recenſent werden. Ja, wir werden noch große Dinge ausführen.“

„Wenn nur die Sylphide,“ verſetzte ich,„uns vör⸗ tanzen will, wie bisher, ſo fürchte ich Nichts auf der Welt.“

Meine Stiefmutter weinte nicht mehr. Gerührt und getröſtet umarmte ſie ihre Töchter und dankte Gott für dieſes Geſchenk.