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Jahre zuvor die ſchöne und edle Virginia Adelan zum Al⸗ tare geführt, ſeine einzige edle und reine Liebe.
Und nun traten ſie neben einander, die beiden Zeit⸗ punkte, jeder mit ſeiner Braut; er erinnerte ſich an Vir⸗, ginia's ſchüchternen Kuß, den ſie ihm an dieſem Tage ge⸗ geben und noch brannte Flora's rachedürſtender auf ſeiner Lippe. Unwillkührlich wandte ſich ſein Gemüth von ihr ab und fühlte ſich unwiderſtehlich zu der jungen, ſchönen Gattin hingezogen, die er einſt ſein nannte. Er gedachte ihrer ſchönen Liebe, wie ſie noch in ihrer Todesſtunde ihm allein angehörte; vielleicht auch dachte er daran, wie er in ſchwärmeriſcher Trauer ſie um Verzeihung angerufen und gebeten hatte, ihm auch nach ihrem Tode noch zu erſcheinen, dachte daran, de ſie ihm dies verſprochen.
Viell eicht hatte St. Orme verſucht, dieſe Gedanken durch Erinnerung an Scenen aus Pariſer Boudoirs und Opernfoyers zu verſcheuchen— aber immer wieder ſtieg zwiſchen dieſen flimmernden, glänzenden Erſcheinungen das Bild ſeiner todten, blaſſen jungen Gattin auf, ſo wie er ſie zum letztenmale in dem weißen Leichengewande geſehen hatte,— und ein ſchauerliches Gefühl drang von ihrem Grabe wie Todeshauch in St. Orme's Bruſt.
Schweigend und gedankenvoll ſaß er in ſeinem Zimmer, finſter hinausblickend in die zunehmende Dämmerung. Da plötzlich that die Thüre langſam ſich auf und eine Frauen⸗ geſtalt, vom Kpft bis zu den Füßen weiß gekleidet ſtand vor ihm.
St. Orme erhob ſich— aber er ſchwankte und ſank wieder in das Sopha zurück, heiſer ſtammelnd:
„Virginia ſpricht mit Dir durch mich,“ antwortete Selma's liebliche Stimme.„Höre uns, St. Orme.“ Und nun floſſen Worte von ihren Lippen, deren ſie nachher ſich ſelbſt nicht mehr erinnern konnte, die ein höherer Geiſt ihr eeingegeben zu haben ſcheint. Eine augenblickliche Auf⸗ regung hatte St. Orme's Herz zugänglich gemacht. Die


