Den 30. April.
Heute fühlte ſich Selma ſo wohl, daß ich ſie um eine Aufklärung über ihren Beſuch bei St. Orme, ſowie über den Zauber bitten konnte, mit Hülfe deſſen ſie ihm ſo ſchnell die Waffen, die er ſo lange verwahrt, und den Sieg wieder entriſſen hätte, den er ſchon gewonnen gehabt. Das Wenige, was Selma mir daxüber mittheilte, und das ich auch aus Furcht, ſie zu ſehr dadurch aufzuregen, nicht ausführlicher zu wiſſen begehrte, läßt mich folgendes Gemälde von je⸗ nem Ereigniſſe entwerfen.
In jenem Momente, wo Flora rettungslos in einen
bodenloſen Abgrund zu verſinken ſchien, fühlte ſich Selma
von einem Muth und einem Willen, Flora zu retten be⸗ lebt, die im Stande waren, allen Hinderniſſen zu trotzen. Die Furcht, ſie möchte zu ſpät ankommen, um ein Ren⸗ contre zwiſchen Lennartſon und St. Orme zu verhindern und das Gefühl einer mehrfach dringenden Gefahr führten ſie faſt bewußtlos an's Ziel.
Sie wußte nicht wie es gekommen war, als ſie ſich plötzlich vor St. Orme's Thüͤre fand. Der ſeltſame Em⸗ pfang, den ſie von St. Orme erfuhr, läßt ſich blos aus einer ungewöhnlichen Stimmung deſſelben erklären.
St. Orme hatte die Braut verlaſſen, die er mit Ge⸗ walt und Liſt an ſich gefeſſelt, hatte ſie mit anſcheinender Kälte und jener Ruhe verlaſſen, die die Gewißheit des Sieges giebt. Aber kein Mann bleibt kalt bei der Raſerei des Weibes, das einmal ſein Herz gefeſſelt hat. Auch St. Orme war nicht ruhig, als er Flora verließ. Der Sturm jener Stunde ſchüttelte ſeine Schwingen Unglück verkündend über ihn und durch die Macht des Contraſtes ſtieg in dieſem Augenblicke wahrſcheinlich eine Erinnerung ganz verſchiedener Art in ihm auf. An eben dieſem Tage hatte St. Orme einige
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