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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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der Noth zu helfen.— Wie Lennartſon und Flora jetzt mit einander ſtehen! Ich kann aus ihrem Verhältniſſe nicht recht klar werden.— Geſtern traf ich ſie im Vorzimmer

beiſammen: er hatte den Arm um ſie geſchlungen und ſie lehnte den Kopf an ſeine Bruſt;— vor ihnen auf dem Liſche lag die rothe Brieftaſche, die Urſache ſo vieler Qual und Unruhe. Lennartſon ſchien ernſte, zärtliche Worte zu flüſtern und Flora ſah aufgeregt aus. Aber es dünkte mich, als wären Beide nicht glücklich.

Flora iſt nur auf Minuten zu Hauſe und bei Selma. Sie iſt mir fortwährend ein Räthſel.

So eben erhalte ich einige Worte von ihr, des In⸗ halts,„daß ſie, da ſie nun wegen Selma's Geſundheit be⸗ ruhigt wäre, ihre Schweſter auf einer Luſtreiſe nach Swartsjö begleiten wolle, um dort die Nachtigallen ſingen zu hören. Bis zum dritten Mai jedoch werde ſie wieder zurück ſeyn.“

Flora geht auf Reiſen und amüſirt ſich und läßt die Freundin, die für ſie ſich opfert, allein mit ihrem ſtillen⸗ Schmerze. Auch ihr Bruder könnte Anſpruch an ihre Fürſorge und Geſellſchaft machen: ſeine Geſundheit iſt noch ſehr ſchwankend und die Aerzte haben ihm eine Reiſe in's Ausland und den Gebrauch eines der warmen Bäder von Deutſchland in dieſem Frühling verordnet. Aber trotz allem Elende, das ihre Angehörigen heimſucht, denkt Flora nur daran, ſich zu unterhalten und den Tönen der Nachtigall zu lauſchen. Welch ſchauderhafter Egoismus! Doch ich will ſie noch nicht verdammen. Vielleicht fährt ſie nach den ſtillen Parks auf Swartsjö, um da ungeſtört der innern Stimme zu lauſchen.