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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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zu befriedigen und zu helfen, konnte ſich wohl nie zeigen. „Ja, ich weiß, was der ſagen wird,“ ſagte meine Stief⸗ mutter ſeufzend. Doch beſchloß ſie endlich in ihrem Kum⸗ mer über eine bedeutende Forderung, die ſie in einigen Tagen zu zahlen hatte, dieſen Abend noch nach ihrem Bruder zu ſchicken. Er kam und ſah ſehr verlegen aus über das, was man ihm anvertraute. Endlich rieth er ſeiner Schwe⸗ ſter, ſie ſolle aufhören ein Haus zu machen und ſich ban⸗ querott zu erklären. Auf dieſe Weiſe würde ſie ſich am ſicherſten retten. Mit einem Unwillen und einem Hechſinn, der ihr meine ganze Liebe erwarb, verwarf meine Stief⸗

mutter dieſen Vorſchlag. Lieber wolle ſie„von Waſſer und

Brod“ leben, als daß Jemand durch ſie in Schaden kom⸗ men ſolle. Der Hofmarſchall erklärte dieſe Denkungsart

für„ſehr ſchön und reſpektabel,“ fuhr aber fort, ſie zu

bitten, doch ihre Vernunft zu Nath zu ziehen c. Meine Stiefmutter wollte dies nicht thun; einen andern Rath wußte ihr Bruder nicht zu geben und ſo ging er, einen vorwurfsvollen Blick von mir mit ſich nehmend. Es ſchien meine Stiefmutter zu tröſten, daß ich ihre Denkungs⸗ und Handlungsweiſe innig und vollkommen billigte.

Den 29. April.

Schöne warme Tage verſchönern uns Selma's Ge⸗ neſung noch mehr. Der ſtille Ernſt, der nun in ihrem Weſen liegt, hindert ſie nicht, mit dankbarer Freude jede neue Gabe zu empfangen, die Leben und Geſundheit ihr bieten. Meine Stiefmutter ſucht ihre geheime Unruhe und ihren Kummer vor ihr zu verbergen, iſt aber oft nahe daran, ihn zu verrathen. Auf meine Bitte hat ſie ſich jetzt Lennart⸗ ſon anvertraut, der auserleſen ſcheint, allen Menſchen aus