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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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Lennartſon iſt alle Tage hier. Er iſt erfreut über die glückliche Veränderung in Selma's Befinden. Aber er verlangt nicht, ſie zu ſehen. Er iſt tief bekümmert über Brenner's Unglück, das dieſer mit männ⸗ licher Feſtigkeit trägt. Lennartſon hat ihm brüderliche Hülfe angeboten. Aber Brenner hat ſie ausgeſchlagen. Er ſei gewiß, daß er in Zeit von einigen Jahren ſich ſelbſt helfen könne.„Aber das ſage ich Dir, Bruder!“ fuhr er wehmüthig-munter in ſeiner Antwort an Len⸗ nartſon fort,„wenn unſer Herr mich zu ſeiner Armee da droben abruft, ehe ich hier auf Erden wieder feſten Fuß und feſte Poſition faſſe, ſo vermache ich Dir Etwas.“

„Was denn?“ fragte Lennartſon.

„Meine Kinder.“

Ein ſtiller Handſchlag der beiden Freunde folgte. So verſtehen ſich edle Gemüther.

Aber dieſe Worte haben mir Thränen ausgepreßt. Mir wollte der Vikinger keinen Theil an ſeinem Teſta⸗ mente geben. Er achtet mich nicht genug dazu.

Mitte Mai's wird er nach dem Mittelmeere abſegeln.

Den 26. April.

Tief gerührt von der Lage und dem kummervollen Ausſehen meiner Stiefmutter fragte ich ſie heute, warum ſie ſich nicht ihrem Halbbruder anvertraue. Er würde ihr ſicher nicht nur rathen, ſondern auch helfen können. Mit einer Art Schrecken wies ſie dieſen Vorſchlag zurück.„Nein, nein!“ rief ſie aus,„das iſt nichts——— das würde nichts helfen.“ Ich war erſtaunt. Ich meinte, er müſſe helfen; denn eine ſchönere Gelegenheit für den Hofmarſchall; ſeine oft gerühmte Paſſion:„im Stillen Gutes zu thun“