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Den 22. April.
Das Haus ſoll den lieblichen Sonnenſchein nicht verlieren. Die Kriſis iſt vorüber und— Selma außer Gefahr. Wir danken Gott, wir wünſchen einander Glück. Und doch können wir uns nicht ſo recht freuen. Das Leben, das ſich nun vor Selma öffnet, ſieht nicht freund⸗ lich aus. Vor Kurzem und während Selma noch ſchlief, traf ich meine Stiefmutter mit einem offenen Briefe in der Hand und dem Ausdrucke tieſer Riedergeſchlagenheit auf dem Geſichte. Sie kam mir vor, als wäre ſie plötz⸗ lich um mehrere Jahre gealtert.
„Sie ſchläft immer noch,“ ſagte ich, um ſie auf⸗ zumuntern;„ich meine, ſie athme freier und leichter.“
„Gehe es, wie Gott will!“ antwortete meine Stief⸗ mutter leiſe, faſt tonlos.„Ich wage es kaum zu wün⸗ ſchen, ſie zu behalten. Es gibt ſo Manches, was ſpäter ihr das Leben ſauer machen kann— ich ſehe das jetzt erſt. Flora vermählt ſich mit dem Manne, der unter Allen am beſten für meine Selma wäre, den ſie allein geliebt hat und den ich allein mir zum Tochtermaun wünſchte. St. Orme iſt abgereist und beſtätigt mir in dem Briefe, den er mir zurückgelaſſen hat, Alles, was ich ſeit einiger Zeit befürchtet habe. Den ganzen Win⸗ ter hindurch hat er bald größere, bald geringere Anlehen bei mir gemacht, die zu bezahlen er immer verſprochen hat, die er aber nie bezahlte und die ich ihm leichtgläu⸗ big, oder eigentlich ſchwach genug auf ſein bloßes Wort, ohne alle Handſchrift übergab. Und nun iſt er abgereist und ſchreibt kurz und ſo beiläufig;„er werde mich ſobald als möglich bezahlen“ u. dergl. Aber ich kenne das. Er wird mich nie bezahlen, und ich, die ich ihm weit über meine Einnahme geliehen und deshalb mich ſelbſt ge⸗
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