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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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Liebe:„Was fürchtet, Selma? Lennartſon iſt da. Im Leben und im Tode wird er Dich vertheidigen. Siehe mich an, Selma! und glaube mir!“

Anfangs ſah ſie ihn mit erſtaunten, ſcheuen Blicken an, allmälig aber verwandelten ſie ſich durch die Kraft, die von den prächtig ſtrahlenden Augen Lennärtſon's aus⸗ ging. Er ſetzte ſich auf den Rand ihres Bettes nieder und ſah ihr fortwährend ruhig und feſt in's Auge. Und wun⸗ derbar! Während dieſes Anſchauens verlor ſich die Span⸗ nung in den ihrigen und der liebliche und klare Ausdruck trat wieder in ſie. Beide ſprachen kein Wort. Aber es war, als ob ihres Weſens bis dahin unausgeſprochene, gefeſſelte Harmonie in ſchweigenden Strömungen ſich er⸗ göße und ſie vereinigte und begluckte. Ueber das Antlitz der armen Kranken verbreitete ſich mehr und mehr ein Ausdruck unausſprechlichen Friedens, die müden Augen⸗ lieder ſenkten ſich und— ſie ſchlummerte ſanft. Lange noch blieb Lennartſon ſitzen, die Blicke auf das Geſicht der Schlummernden geheftet. Die ſtummen Zeichen mei⸗ ner Stiefmutter vermochten ihn endlich, ſich zu entfernen. Schweigend öffnete ſie ihm ihre Arme: er ſchloß ſie in die ſeinigen, lehnte ſich an ihre Schulter und tiefe Seuf⸗ zer arbeiteten ſich aus ſeiner Bruſt hervor.

Flora war verſchwunden. Niemand hatte ſie hin⸗ ausgehen ſehen..

Alles iſt ſtille, ſo ſtille im Hauſe. Man weiß, daß die geliebte Tochter einen entſcheidenden Schlaf ſchläft. Der Philoſoph ſieht im höchſten Grade finſter aus. Ji ſeinen unterirdiſchen Tönen ſagte er geſtern:„Wenn Fräulein Selma ſtirbt, ſo iſt es nicht mehr der Mühe werth, zu leben: der Sonnenſchein hat die Welt ver⸗ laſſen.“

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