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233 trauen gegen ſie, ſondern wolle ſie gerne im Lichte und in Liebe anſehen.“
„Wenn ich das glauben könnte,“ ſagte Selma mit einem Blicke wehmüthiger Freude,„ſo würde ich ruhiger ſeyn. Wenn er einen Blick voll Segen auf mein Grab richten würde, er würde durch die Erde, durch den Sarg hindurchdringen: die Pein würde aufhören und ich ſchlum⸗ mern können. Aber ſage Niemanden auf der Welt,“ fuhr ſie haſtig fort,“ ſage Niemanden, daß ich ihn geliebt habe. Sage zu Jedermann:„Sie hat Niemand geliebt, als ihren Vater, ihre Mutter, ihre Freundin Flora und ihre Schweſter Sophie. Und ſage Flora nicht, daß Selma für ſie ſtarb!———— Sage ihr, ich ſey von einer Schlange gebiſſen, und davon krank, todtkrank geworden.“
Während Selma mit lautklagender Stimme und mit Fiebergluth auf den Wangen dieſe Worte ſprach, hatte ich ein leiſes Geräuſch im Zimmer vernommen. Als ich mich nach demſelben umwandte, ſah ich Lennartſon und Flora an Selma's Kopfe ſtehen. Sie ſchienen Alles gehört zu haben. Er drückte mit der Hand gegen die Bruſt und ſchien mühſam zu athmen.
Der Vorſchrift des Arztes gemäß, lag Selma mit dem Kopfe hochgebettet, ſo daß ſie faſt im Bette ſaß. Ihr ſchönes Haar floß in Locken herab und auf ihnen ruhte der halbvollendete Kranz, den ſie für Flora gebunden hatte. Da lag ſie, die Sylphide, die ihre Schwingen verloren hatte, eine liebliche Beute für die Umarmung des Todes, und konnte ſelbſtim Tode erſtarrend ihre Schönheit nicht ver⸗ läugnen. Finſtere Phantaſien ſchienen wiederum ihrer Seele ſich bemächtigt zu haben.„Nein, nein!“ rief ſie, die Hände flehend emporhebend,„ſtoßt mich nicht in dieſe dunkle Tiefe hinab! Ich will ja nichts Schlechtes. Hülfe, Lenuartſon!“— Und in dem Augendlicke ſtand Lennart⸗ ſon vor ihr, faßte ihre aufgehobenen Hände in dle ſei⸗ nigen und ſagte mit dem unbeſchreiblichen Ausdrucke der Friederike Bremer, Tagebuch. 16


