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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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mehreremal gerufen, bloß um mir zu ſagen:„wenn ich todt bin, ſo bleibe ſtatt meiner bei meiner Mutter! Habe ſie lieb! Sie iſt ſo gut.“

Flora kommt bloß auf Augenblicke. Sie kann es nicht ertragen, Selma zu ſehen und zu hören. Meiſt iſt ſie bei ihrer Schweſter.

Abends. Oh! Eine Stunde der Hoffnung! Möge ſie nicht täuſchen!

Heute Nachmittag rief mich Selma und ſagte:„Jetzt bin ich todt, Sophie! Du ſiehſt, ich liege im Grabe. Und es iſt auch gut drinnen, wenn ich nur Ruhe finden, wenn ich nur ſchlafen könnte. Sie ſchlafen doch ſonſt in den Gräbern! Schlafen und vergeſſen— bis ſie bei Gott aufwachen. Ich möchte wiſſen, warum ich nicht ſchlafen kann, wie die Andern;————— Ach— ja! ich

weiß, ich weiß,————— es iſt ſein Blick! Haſt

Du ihn geſehen?“

„Wen geſehen, meine liebe Selma?“

„Den St. Michael! Es iſt ſein feuriger Blick, der mich brennt, der mich im Grabe nicht ſchlafen läßt— ——— aber ich weiß ſchon, wenn ich ihn einmal im Lichte, über der Wolke ſehen kann, dann wird er mich

gewiß ganz anders anſehen. Ich weißt, alles Böſe auf

der Erde kommt blos daher, weil es ſo finſter iſt, daß man nicht Alles ſehen kann, wie es in Wahrheit iſt.“ Plötzlich fuhr mir ein Gedanke durch den Kopf und indem ich in ihre Ideen einzugehen ſuchte, ſagte ich,„ich hätte den geſehen, von dem ſie rede, er hege kein Miß⸗

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